Die Tage werden länger, die Vorfreude der Motorradfans auf die Saison der Motorrad-Touren wächst. Endlich wieder rauf auf die Kiste, den Sound des Motors spüren und beim Cruisen ein paar Stunden oder auch Tage Freiheit genießen. Der Frühjahrscheck dürfte bei den meisten schon längst passiert sein, falls nicht sollte dies dringend nachgeholt werden. Die technischen Komponenten sollten vor der ersten Ausfahrt gründlich geprüft werden. Erfahrene Biker können dies selbst erledigen, Einsteiger sollten eine Werkstatt aufsuchen. Auch die Ausrüstung sollte vorher gecheckt und auf Vollständigkeit geprüft werden. Neben Motorradhelm, Handschuhen, Motorradkombi, Nierengut und Protektoren sollte auch an eine Warnweste gedacht werden, auch wenn diese nicht verpflichtend ist. Besonders in der Übergangszeit ist diese unverzichtbar und dient in erster Linie der Sicherheit.

Alles erledigt – es kann also losgehen. Nicht nur Tagesausflügler, auch alle, die einen Kurzurlaub planen, können auf ihrem Trip in Deutschland viel erleben: Spektakuläres Kurven inmitten idyllischer Landschaften geht auch bei uns. Neben dem Fahrspaß gibt es entlang der Strecken auch viele attraktive Sehenswürdigkeiten zu sehen, an denen es sich lohnt, einen Stopp einzulegen.

Fahrspaß in der Vulkaneifel

Zum Beispiel auf der Deutschen Vulkanstraße in der Eifel. Vulkanstraße: Genau, vor tausenden von Jahren formten Vulkane die Landschaft im südwestlichen Deutschland zu einer eindrucksvollen Landschaft. Der Laacher See in Rheinland-Pfalz zum Beispiel eignet sich hervorragend als Startpunkt für einen Motorrad-Trip durch die Eifel. Bis etwa 700 Meter hoch ist die Vulkaneifel mit den charakteristischen Maaren, Kratern und urzeitlichen Lavaströmen. Der Laacher See gilt als größter wassergefüllter Kratersee (Caldera) in Mitteleuropa. Vom See aus bietet sich eine Weiterfahrt in das Schrumpftal mit seinen ausgedehnten Feldern an. Der Weg dorthin bietet spektakuläre Ausblicke auf die Feld- und Wiesenlandschaft der Vulkaneifel mit ihren bewaldeten Höhen. Das Schrumpftal mit seinen idyllischen Dörfern voller historischer Gemäuer liegt direkt an der Mosel. Wer den vielen Schleifen der Mosel folgen möchte, fährt weiter über Bitburg nach Schweich. Durch die Weinberge lässt es sich wunderbar zu Weinorten wie Bernkastel-Kues oder Beilstein cruisen. Weiter in der burgenreichen Osteifel ist der Nürburgring für passionierte Motorradfahrer ein Muss. Wer möchte, kann zu den regulären Öffnungszeiten ein paar Runden drehen. Eine Herausforderung: Denn mit seinen knapp 21 Kilometern Länge, den 73 Kurven, Steigungen und Gefällen ist der Nürburgring sicher nichts für Anfänger.

Königsdisziplin Alpen

Keine Frage: Gerade kurvige Strecken machen den besonderen Reiz des Motorradfahrens aus. Naturgemäß schwärmen Cruiser deshalb von Touren durch die Alpen, denn hier kommen auch noch ordentliche Höhenunterschiede hinzu. Touren durch das deutsche Hochgebirge stehen deshalb auf der Liste ganz oben. Hohe Berge sowie tiefe Wälder und Täler links und rechts der Strecke bieten eine atemberaubende Kulisse während der Fahrt, während abends bayerische Gastfreundschaft gilt. Gleichzeitig wecken die vielen Pässe der bayerischen Alpen bei vielen den Ehrgeiz, es bis ganz nach oben zu schaffen. Die bayerischen Alpen bieten eine Menge an attraktiven Touren. Biker, die etwa am Königssee starten, können inmitten einer beeindruckenden Landschaft auf der kurvenreichen Rossfeld-Panoramastraße Richtung Allgäu fahren. Über Bad Reichenhall und Inzell geht es durch langgezogene Kurven weiter über Ruhpolding die Chiemgauer Alpen Richtung Chiemsee. Nicht nur Seen, Wälder und Berge säumen den Weg, auch Burgen und Schlösser machen schon von weitem auf sich aufmerksam – unter anderem ist das Schloss Hohenaschau ein lohnenswertes Ziel. Vorbei am Schliersee und dem Tegernsee geht es weiter nach Bad Tölz Richtung Garmisch-Patenkirchen und Oberammergau. Weiter führt der Weg mit atemberaubenden Ausblicken auf die Alpen zu den Königsschlössern Neuschwanstein und Hohenschwangau, Orte, an denen Sightseeing im Grunde ein Muss ist.

Motorräder auf Alpenstraße

Wildromantisch: Elbsandsteingebirge

Nur einen Steinwurf von Dresden entfernt liegt das Elbsandsteingebirge. Zugegeben, mit den Alpen können die Berge im Nationalpark Sächsische Schweiz nicht mithalten, trotzdem aber ist ein Motorradtrip durch die beeindruckende Landschaft mit ihren tiefen Schluchten und steilen Felsen, durch die sich klare Bäche ziehen, absolut empfehlenswert. Als Startpunkt bietet sich die Landeshauptstadt Dresden an, die allein schon eine Reise wert ist. Entlang der sächsischen Weinstraße geht es auf 55 Kilometer bis nach Pirna in das kleinste Weinbaugebiet Deutschlands. Über Pillnitz an der Elbe bietet das Müglitztal auf der anderen Seite des Flusses eine atemberaubende Strecke mit Schräglagen-Möglichkeit durch tiefe Schluchten. Der Ort Glashütte bietet sich hier als Pause an, bevor es für die Biker kurvenreich nach Lauenstein und weiter nach Markersbach geht. Über das Bielatal weiter an die Elbe Richtung Königsstein mit Blick auf die gleichnamige Festung lohnt sich die Weiterfahrt nach Tetschen (Tschechien) entlang der Elbe. Wer vom Cruisen noch nicht genug hat, kurvt weiter bis ins Kirnitzschtal mit seiner bizarren Felslandschaft und dem Lichtenhainer Wasserfall. Als Abschluss der Tour bietet das historische Hohnstein Einblicke in alte Zeiten. Hier, ab Altendorf, führt ein weiterer Streckenabschnitt Richtung Rathmannsdorf. Nicht nur die Kurvenlage macht auf dieser Strecke richtig Spaß, auch die Aussicht auf die Schrammsteine ist grandios. Wer sich richtig schräg in die Kurven legen möchte, hat ab Rathmannsdorf Gelegenheit dazu.

Ostsee-Charme

Nun müssen es nicht immer nur Berge sein, um als Motorradfahrer auf seine Kosten zu kommen. Wie wäre es mit einer Ostseetour? Von Bergen keine Spur, dennoch lassen verschiedene Strecken – zum Beispiel von Boltenhagen bis nach Warnemünde – den Traum von Freiheit ebenfalls wahr werden, inklusive frischer Meeresbrise. Zwischen Wismar und Lübeck liegt Boltenhagen als altes Fischerdorf direkt an der Mecklenburger Bucht und gilt als eines der ältesten Seebäder Deutschlands. Es lohnt sich, auch ohne großartige Höhenunterschiede mit dem Motorrad die weitläufige Landschaft mit ihren Leuchttürmen kennenzulernen, die vielen Strände zu entdecken oder mit der Fähre auf Inseln wie Usedom oder Hiddensee überzusetzen. Von der historischen Hansestadt Lübeck zum Beispiel lässt es sich hervorragend bis nach Usedom fahren, mit (Bade-)Stopps am Timmendorfer Strand und im maritimen Travemünde. Usedom ist hier nicht mehr weit, trotzdem sollten Biker unbedingt einen Stopp in Wismar einlegen. Besonders die Altstadt der alten Hansestadt beeindruckt mit vielen restaurierten Bürgerhäusern rund um den Marktplatz. Als nächste Etappen bieten sich Kühlungsborn und Bad Doberan an, bis es weiter nach Warnemünde, Stralsund und Greifswald geht. Auf Usedom angekommen, warten entspannte Stunden oder Tage auf der Sonneninsel der Ostsee, deren Orte gut mit dem Motorrad erkundet werden können.

Zwischen Fichtelgebirge und Frankenwald

Wunderbare Entspannung bieten auch die Regionen Fichtelgebirge und Frankenwald mit ihrer beeindruckenden Natur. Beginnend in Oberfranken in Münchberg direkt am Fichtelgebirge bieten sich Bikern spektakuläre Einblicke in bizarre Landschaftsformen: Granitfelsen, die in die Höhe ragen, liebliche Täler mit klaren Bächen, der über tausend Meter hohe Schneeberg und der etwas kleinere Ochsenkopf dominieren die kurvenreiche Landschaft, ebenso wie die vielen Dörfer, von denen viele so aussehen, als seien sie aus der Zeit gefallen. Geeignete Stopps sind Bad Steben oder auch Hof an der Saale mit seinem historischen Stadtkern. Weiter ins moderne Rehau mit seinen verzierten Fassaden und in die Porzellanstadt Selb bietet die Tour auch weiterhin eine abwechslungsreiche Landschaft. Ab Bad Steben über Nordhalben, Tschirn, Reichenbach, Ludwigsstadt und Lauenstein bietet sich außerdem eine kurvenreiche Fahrt durch die Höhenzüge des Frankenwaldes an. Sehr viele Sehenswürdigkeiten wie die Burg Lauenstein, die Feste Rosenberg, das Wasserschloss Mitzwitz oder – als Abstecher – die Burg Greifenstein säumen diese beeindruckende Berg- und Talfahrt.

Motorradhelm, Jacke und Handschuhe

Attraktive Tagesausflüge

Wer während seiner Tour nicht auf urban life verzichten möchte, plant ganz einfach einen Aufenthalt in der deutschen Hauptstadt. Von Berlin aus lässt sich die Umgebung auf Tagestouren wunderbar mit dem Motorrad erkunden, ganz klassisch zum Beispiel den Spreewald, der etwa hundert Kilometer entfernt von Berlin liegt. Ein Paradies für Biker – nicht nur wegen der langgezogenen Kurven, sondern auch wegen der atemberaubenden Landschaft. Eine Möglichkeit, den Spreewald zu erkunden, führt von Berlin nach Lübbenau. Wer noch weiter fahren möchte, den führt die Route über den Oberspreewald durch das Lausitzer Seenland. Viel Wald, Moore und weite Landschaften finden sich auch in Schorfheide-Chorin – einem Reservat voller Wälder, beeindruckender Seenlandschaften und vor allem – voller kurvenreicher Straßen vorbei an verträumten Dörfern. Wer eine andere deutsche Metropole als Ausgangspunkt für verschiedene Touren nutzen möchte, hat rund um München ausgiebig Gelegenheit dazu: Die Fünf-Seen-Tour zum Beispiel führt den Biker ab Wörthsee durch beschauliche Landschaften über den Ammersee, den Starnberger See weiter zum Pilsen- und Weßlinger See auf  rund 300 Kilometer Strecke.

Bildquellen

  • Motorradgruppe in den Alpen: © Anna Om-stock.adobe.com
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