Nachgefragt bei… Dominik Paul

Zur Person

Dominik Paul

Ich habe bereits mit 15 Jahren angefangen, in der Gastronomie auszuhelfen und dadurch sehr früh meine Leidenschaft für das Kochen entdeckt. Meine Ausbildung habe ich anschließend in einem gutbürgerlichen Restaurant absolviert, wo ich die klassischen Grundlagen und den respektvollen Umgang mit Produkten gelernt habe. Nach mehreren weiteren Stationen in der Gastronomie bin ich schließlich im Dollenberg gelandet, wo ich meine Erfahrungen in der Sterneküche weiter vertiefen konnte. 2013 führte mich mein Weg dann ins OPUS V, wo ich mich über die Jahre bis zum Küchenchef entwickelt habe.
Mein Küchenstil ist modern, weltoffen und produktorientiert. Saisonalität spielt für mich eine zentrale Rolle, gleichzeitig lasse ich internationale Einflüsse mit einfließen. Ich mag eine reduzierte, präzise Küche, bei der Geschmack und Produkt im Mittelpunkt stehen und jedes Detail bewusst eingesetzt wird.

Aktuelle Auszeichnungen

  • Der Varta-Führer: ✔
  • Guide Michelin: ✔
  • Gusto: ✔
  • Gault Millau: ✔
  • Der Feinschmecker: ✔
  • Schlemmer-Atlas: ✔
  • Der große Guide: ✔
  • Foodbild von Spitzenkoch Dominik Paul - Carabinero Shiitake Verjus
  • Foodbild von Spitzenkoch Dominik Paul -Birne Ingwer Haselnuss

Das Interview

Warum sind Sie Koch geworden?

Ich bin Koch geworden, weil mich die Gastronomie schon sehr früh begeistert hat. Als ich mit 15 angefangen habe auszuhelfen, hat mich vor allem die Dynamik in der Küche fasziniert – dieses Zusammenspiel aus Handwerk, Kreativität und Teamarbeit. Mir war schnell klar, dass ich etwas machen möchte, bei dem man jeden Tag mit Leidenschaft arbeitet und sich ständig weiterentwickeln kann.

Kochen gibt mir die Möglichkeit, Emotionen über Geschmack zu transportieren und Menschen besondere Momente zu schaffen. Genau dieser Anspruch motiviert mich bis heute: aus guten Produkten mit Präzision, Kreativität und Persönlichkeit etwas entstehen zu lassen, das in Erinnerung bleibt.

Was ist für Sie das Wichtigste beim Kochen?

Das Wichtigste beim Kochen ist für mich, dass ein Gericht ehrlich und geschmacklich klar ist. Ein Produkt sollte immer im Mittelpunkt stehen und nicht durch zu viele Komponenten überdeckt werden. Ich finde, man merkt sofort, ob etwas mit Präzision, Leidenschaft und dem richtigen Gefühl gekocht wurde.

Genauso wichtig ist für mich aber auch die Konstanz und das Arbeiten im Team. Eine gute Küche funktioniert nur, wenn jeder dieselbe Haltung und denselben Anspruch teilt. Am Ende geht es darum, dem Gast ein Erlebnis zu schaffen, das authentisch ist und in Erinnerung bleibt.

Woher holen Sie sich die Inspiration für Ihre Speisekarte?

Inspiration finde ich überall, auf Reisen, durch neue Produkte, in Gesprächen mit Produzenten oder auch ganz spontan im Alltag. Oft entsteht eine Idee aus einem einzelnen Geschmack, einer Erinnerung oder durch die Kombination verschiedener Einflüsse und Techniken.

Für mich ist es wichtig, offen zu bleiben und sich ständig weiterzuentwickeln. Gleichzeitig versuche ich immer, meiner eigenen Handschrift treu zu bleiben. Am Ende muss ein Gericht nicht nur kreativ sein, sondern vor allem geschmacklich funktionieren und eine klare Aussage haben.

Welches Essen macht Sie glücklich?

Essen macht mich dann glücklich, wenn es in der richtigen Gesellschaft stattfindet und man den Moment wirklich teilen kann. Entscheidend ist für mich nicht nur das Gericht selbst, sondern die Atmosphäre und die Menschen, mit denen man es genießt.

Am meisten berührt mich Essen, das mit Herz und echter Leidenschaft zubereitet wurde. Man schmeckt, ob jemand mit Überzeugung und Freude kocht, genau das bleibt für mich in Erinnerung.

Was würden Sie niemals essen?

Ich probiere grundsätzlich sehr vieles und finde, man sollte als Koch offen für neue Geschmäcker und Kulturen sein. Trotzdem gibt es Produkte, mit denen ich persönlich wenig anfangen kann, vor allem, wenn sie geschmacklich keinen wirklichen Charakter oder keine Tiefe haben. Für mich muss ein Produkt immer eine gewisse Qualität und Aussage mitbringen.

Am Ende gehört aber genau diese Offenheit zum Kochberuf dazu: Dinge zu verstehen, zu probieren und sich ständig weiterzuentwickeln.

Was bringt Sie aus der Fassung?

Was mich wirklich aus der Fassung bringt, sind wiederholt gemachte Fehler, insbesondere dann, wenn sie aus Bequemlichkeit entstehen. In solchen Momenten entsteht bei mir der Eindruck, dass die nötige Haltung gegenüber dem, was wir tun, fehlt.

Für mich basiert gute Küche auf Aufmerksamkeit, Disziplin und Respekt vor dem Produkt und dem Team. Wenn diese Grundlagen bewusst vernachlässigt werden, ist das für mich schwer nachvollziehbar.

Haben Sie kochende Vorbilder?

Ich habe keine direkten Vorbilder aus der Küche, orientiere mich jedoch sehr an dem, was in der internationalen Gastronomieszene passiert. Mich interessiert die Entwicklung von Konzepten, Techniken und Geschmacksrichtungen sowie der Austausch zwischen verschiedenen kulinarischen Kulturen.

Dieser Blick über den eigenen Tellerrand hinaus ist für mich wichtig, um offen zu bleiben und die eigene Handschrift kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Mit welchem Politiker oder welcher Politikerin würden Sie gerne einmal gemeinsam essen?

Ich habe keinen konkreten Politiker oder keine Politikerin, mit der ich unbedingt essen müsste. Mich interessiert weniger die Person als vielmehr der Austausch selbst, unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Sichtweisen. Dies kann von Wirtschaft, Außenpolitik, Familienpolitik bis hin zur Gesundheitspolitik gehen. Solange man etwas dazu lernen kann ist egal wer gegenüber sitzt.

Das größte Lob, das Sie jemals bekommen haben?

Wenn die Leute nach dem Essen noch entspannt sitzen bleiben, nichts mehr sagen und einfach zufrieden schauen, dann weiß ich, dass es gepasst hat. Da braucht es keine großen Worte mehr. „net g’schimpft isch g’lobt gnug“.

Womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Freizeit und wie erholen Sie sich?

Mein Leben ist durch meine Familie und meinen Beruf sehr ausgefüllt und intensiv. Umso wichtiger sind für mich bewusste Auszeiten zur Erholung und zum Abschalten. Diese finde ich am liebsten bei einem Hotelaufenthalt mit einem gut ausgebauten Spa-Bereich und einer hochwertigen kulinarischen Auswahl. Dort kann ich zur Ruhe kommen, neue Energie tanken und gleichzeitig Inspiration für meine Arbeit sammeln.

Nachgefragt bei Spitzenköchen

zu den Interviews

Bildquellen

  • Dominik Paul: © Dominik Paul
  • Carabinero Shiitake Verjus_sc: © Dominik Paul
  • Birne Ingwer Haselnuss_sc: © Dominik Paul
  • Julia Komp, Porträt: © Marvin Evkuran
  • Erik Schmitz, Porträt: © Tim Moldenhauer
  • Tim Reinwald, Porträt: © Tim's Kitchen Fürth
  • Marcel Kube, Porträt: © Ecki Raff
  • Heiner Bohnet, Porträt: © Goldene Sonne
2026-06-22T11:04:24+02:00