Zur Person
Timo Plenter absolvierte seine Ausbildung in Bad Zwischenahn, hat dort das Kochen jedoch leider eher „aus der Packung“ gelernt – sprich mit vielen Convenience-Produkten. Diese Erfahrung hat ihn dazu bewogen, eine längere Pause von der Gastronomie zu nehmen und erst in den Beruf zurückzukehren, wenn er sich selbständig machen kann. Dies tat er mit dem Restaurant Regional Friesoythe, wo er konsequent auf regionale und saisonale Zutaten setzt. Alles, was seine Küche verlässt, stellt er selbst her. Seine Arbeitsweise unterscheidet sich deutlich von anderen Küchen: Er erledigt alles allein – vom Einkaufen über die Vorbereitung und das Anrichten bis hin zum Reinigen der Küche.
Das Interview
Warum sind Sie Koch geworden?
Meine Mutter hat früher in einer 20-Quadratmeter-Küche bei einem Partyservice gearbeitet. Ich durfte als Kind oft mitkommen, zuschauen und hier und da etwas schälen. Ich war immer fasziniert – von der Hitze, dem Stress, der Pünktlichkeit und der Kunst, alles so zu koordinieren, dass jedes Gericht zur gleichen Zeit fertig war.
Was ist für Sie das Wichtigste beim Kochen?
Jede einzelne Komponente muss geschmacklich überzeugen. Alles, was wir auf den Teller bringen, soll nicht bloß Dekoration oder ein Schauelement sein, sondern tatsächlich schmecken. Lieber sieht ein Teller einmal nicht perfekt aus – Hauptsache, er begeistert durch seinen Geschmack.
Woher holen Sie sich die Inspiration für Ihre Speisekarte?
Die Inspiration entsteht aus der Selbstbeschränkung: Da wir ausschließlich mit dem arbeiten, was in Niedersachsen und Bremen wächst, liegt unsere Kreativität im bewussten Verzicht.
Welches Essen macht Sie glücklich?
Mein absolutes Feel-Good-Gericht ist Stuten oder Brioche mit Frischkäse und Erdbeermarmelade – purer Kindheitsgeschmack.
Was würden Sie niemals essen?
Ich verzichte auf Kalb- und Ferkelfleisch.
Was bringt Sie aus der Fassung?
Im Restaurant bringt mich kaum etwas aus der Fassung – am meisten jedoch die Ignoranz vieler Menschen gegenüber den kleinen Gastronomen. Oft wird deren Handwerk nicht mehr geschätzt, während man stattdessen die großen Restaurantketten besucht und dort viel Geld für wenig Qualität ausgibt. Den Unterschied auf dem Teller erkennen viele leider nicht.
Haben Sie kochende Vorbilder?
Für mich ist Anthony Bourdain ein echtes Vorbild. Er war nicht nur ein großartiger Koch und Autor, sondern auch eine Persönlichkeit, wie man sie heute kaum noch findet. Was mich besonders beeindruckt, ist seine Empathie und seine unerschütterliche Neugier gegenüber Menschen aus allen Lebensbereichen. Er hat die kulinarische Welt gezeigt, ohne Filter, und dabei immer auch die Geschichten und Erfahrungen der Menschen dahinter sichtbar gemacht.
Mit welchem Politiker oder welcher Politikerin würden Sie gerne einmal gemeinsam essen?
Am Tisch mit Gregor Gysi – das könnte ein langer Abend werden. Er hat schon alle gesehen und mit jedem gesprochen.
Das größte Lob, das Sie jemals bekommen haben?
Bei einem Stadtfest haben wir unsere Buttersmash Burger gebraten. Ein etwa zwölfjähriger Junge kam ganz begeistert zu uns und sagte: „Mit diesen Burgern könntet ihr ein Restaurant eröffnen!“ Wenn es uns gelingt, Kinder und Jugendliche für hochwertige, selbstgemachte Produkte zu begeistern – mehr Lob kann man eigentlich nicht bekommen.
Womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Freizeit und wie erholen Sie sich?
In meiner Freizeit recherchiere ich gerne Restaurants auf der ganzen Welt. Für meine Erholung nehme ich auch gerne Tipps entgegen – leider viel zu selten.
Bildquellen
- Timo Plenter, Porträt: © Timo Plenter
- Timo Plenter, Foodbild: © Timo Plenter
- Timo Plenter, Restaurant Regional Friesoythe: © Foto Hölzen GmbH
- Simon Lang, Porträt: © barbara gandenheimer fotografie
- Jan Hoffman Porträt quer: © Schloss Neuweier
- Tobias Rocholl, Porträt: © Klaudia Taday
- Manuel Bunke, Porträt: © Wilde Klosterküche
- nachgefragt-hendrik-otto: © Adlon Kempinski/Lorenz Adlon Esszimmer


