Frédéric Morel, Porträt

Zur Person

Frédéric Morel wurde 1988 in Brest in Frankreich geboren. Nach seiner Ausbildung am Lycée Hotelier de Dinard in der Bretagne ging er zunächst nach England, danach kam er zurück in die Bretagne zu Olivier Bellin ins L’auberge Des Glazicks. 2012 ging Morel nach Deutschland und arbeitete bei Thomas Martin im Hotel Louis C. Jacob, im Restaurant Vendome im Grandhotel Schloss Bensberg und im Se7en oceans in Hamburg. 2019 eröffnete er zusammen mit seiner Frau das Restaurant Coeur D’Artichaut in Münster. Bei seinen Gerichten trifft bretonischer Einfluss auf westfälische Zutaten und kreolische Gewürze.

Aktuelle Auszeichnungen

  • Der Varta-Führer: ✔
  • Guide Michelin: ✔
  • Gusto: ✔
  • Der Feinschmecker: ✔
  • Gault Millau: ✔
  • Schlemmer-Atlas: ✔
Frédéric Morel, Foodbild

Das Interview

Warum sind Sie Koch geworden?

Ich komme aus einer nicht-gastronomischen Familie, meine Eltern haben nichts damit zu tun. Aber ich bin ein Genussmensch, ich liebe das Essen und Trinken, das hat bei uns immer einen hohen Wert gehabt, vor allem, da mein Vater sehr gut kochen kann. Und als ich dabei war, mich zu orientieren, dachte ich mir, warum nicht Koch oder Patissier werden? Ich habe dann die Hotelfachschule absolviert und erst später meine Leidenschaft dafür gefunden, als ich in England war! Danach gab es keinen Weg mehr zurück!

Was ist für Sie das Wichtigste beim Kochen?

Ich finde, immer der Geschmack soll im Vordergrund sein. Natürlich muss ein Gericht schön anzusehen sein, man sollte aber immer die Qualität und den Geschmack als erstes bemerken. Außerdem muss mir ein Gericht einfach auch Spaß machen!

Woher holen Sie sich die Inspiration für Ihre Speisekarte?

Aus unterschiedlichen Bereichen: aus der Natur, über Kunst, aber das Wichtigste sind Erinnerungen aus meiner Kindheit. Ich entdecke Gerichte meines Vaters immer neu, wenn wir in der Bretagne zu Besuch bei meinen Eltern sind!

Welches Essen macht Sie glücklich?

Jedes Essen, welches mit Liebe gekocht ist! Ich habe natürlich ein Faible für Käse, Schmorgerichte und rustikale Küche.

Was würden Sie niemals essen?

Ich würde immer alles probieren und anschließend überlegen, ob es Sinn macht, es zu essen, oder ob man es auch sein lassen kann.

Was bringt Sie aus der Fassung?

Mittlerweile bringt mich nur noch wenig aus der Fassung. Ich bin älter geworden und habe mich beruhigt. Als ich 25, 26 Jahre alt war, war ich ein wilder Küchenchef, der sich beweisen wollte, und da hat mich viel aus der Fassung gebracht. Derzeit nerven mich Situationen, in denen ich keine Kontrolle habe und trotzdem die Konsequenzen dafür tragen muss. Zum Beispiel die aktuelle Schließung des Restaurants; ich verstehe die Gründe der Schließung, dennoch finde ich persönlich es sehr schwierig, damit umzugehen. Diese Perspektivlosigkeit bringt mich wirklich zur Weißglut und es fällt mir immer schwerer, mich zu motivieren. Da bin ich einfach froh, eine tolle Familie und ein super Team um mich zu haben.

Haben Sie kochende Vorbilder?

Mein „Mentor“ Olivier Bellin hat sich mittlerweile ein kleines Imperium aufgebaut. Als er gestartet ist, haben ihm alle gesagt, dass es nichts wird in so einem kleinen Dorf. Aber er hat allen gezeigt, wo ein Wille ist da ist auch ein Weg! Mittlerweile hat er ein 2*-Restaurant mit Hotel, Spa, 4 Restaurants in Paris und mehrere Kooperationen bis hin nach Hong-Kong. Er lebt für das Kochen.

Mit welchem Politiker oder welcher Politikerin würden Sie gerne einmal gemeinsam essen?

Ich glaube, ich hätte gerne mit Jacques Chirac gegessen. Er war ein wahrer Genießer und ich schätze, er hätte das ein oder andere zu erzählen gehabt.

Wie wird die Zukunft des Fine Dining nach Corona aussehen?

Man kann natürlich nicht in die Glaskugel sehen, aber ich denke, dass kleine, exklusive Konzepte mit genügend Platz mit Sicherheit weiterhin gut frequentiert sein werden. Die Gäste wählen immer bewusster und ich glaube, dass wir als Gastronomen da auch immer am Ball bleiben müssen.

Womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Freizeit  und wie erholen Sie sich?

Meine Freizeit widme ich meiner Familie. Ich bin seit März 2020 Vater eines kleinen Jungen, und durch meinen Beruf bin ich natürlich viel am Arbeiten. Deswegen versuche ich, jede Zeit zu nutzen und bei meiner Familie zu sein.

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Bildquellen

  • Frédéric Morel, Porträt: © Fred Klein