Das Kloster Lorsch: Eine Zeitreise ins 8. Jahrhundert

Die ehemalige Benediktinerabtei Kloster Lorsch befindet sich in der gleichnamigen Stadt im südhessischen Kreis Bergstraße. Gegründet wurde das Kloster im Jahr 764 während der Regierungszeit König Pippins, des Vaters Karls des Großen, und war bis zum hohen Mittelalter ein Macht-, Geistes- und Kulturzentrum des Heiligen Römischen Reiches. Im Jahr 1991 wurden die baulichen und archäologischen Reste der karolingischen und mittelalterlichen Klosteranlage zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt.

Die Königshalle: Eintauchen ins 8. Jahrhundert

Königshalle, Nahaufnahme

Königshalle, Nahaufnahme © Stadt Lorsch

Karl der Große, dem die Abtei übertragen worden war, erhob das Kloster Lorsch zu einem seiner wichtigsten Reichsklöster. Im Jahr 774 war Karl persönlich mit Familie und Hofstaat bei der Weihe der Klosterkirche anwesend. Drei Bauten der ehemals großen Anlage sind verblieben: ein Fragment der Nazarius-Basilika, ein Abschnitt der Klostermauer und die berühmte Königshalle, das architektonische Höhepunkt des UNESCO-Welterbes. Das Gebäude mit der weltberühmten bunten Sandsteinfassade aus der Erbauungszeit ist eines der bedeutendsten Relikte vorromanischer Architektur in Deutschland und wird auch als „Juwel karolingischer Renaissance“ gerühmt. Ihr Zweck ist bis heute unsicher, vielleicht war sie Bibliothek, Gerichtshalle, Festsaal oder Empfangsgebäude – oder alles zusammen. Das Obergeschoss (nur mit Führung zugänglich) zeigt teilweise sehr gut erhaltene Wandmalereien aus verschiedenen Jahrhunderten.
Kloster Lorsch, Basilika-Fragment

Kloster Lorsch, Basilika-Fragment © E. Schittenhelm – fotolia.com

Das Klostergelände Lorsch: Leben im Mittelalter

Schublade mit Exponaten in der Zehntscheune

Schublade mit Exponaten in der Zehntscheune © VSG, 2015, Foto: Tina Kotlewski

Wie kann man sich das Leben der einfachen Leute und Gutsherrenfamilien zu Zeiten Karls des Großen vorstellen? Dieser Frage geht das karolingische Frelichtlabor Lauresham nach, das auf der Grundlage archäologischer Erkenntnisse einem karolingischen Herrenhof nachempfunden wurde. Im täglichen Betrieb wird in den Bereichen Ackerbau, Viehzucht und Handwerk geforscht. Es werden alte Getreidesorten angebaut, mit alten Tierrassen gearbeitet und die Werkzeuge der Zeit genutzt. Das Kloster Lorsch ist auch berühmt für das Lorscher Arzneibuch – es steht für den Beginn der modernen Medizin in der westlichen Welt und wurde 2013 ins Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen wurde. Im groß angelegten Kräutergarten hinter der Zehntscheune findet man ausschließlich Medizinal- und Heilpflanzen, wie sie im Lorscher Arzneibuch vorkommen. In der Zehntscheune wurde ein Schaudepot mit Lorscher Grabungsobjekten eingerichtet, die eindrucksvolle Funde aus 200 Jahren Grabungsgeschichte dokumentieren.
Kräutergarten nach dem Lorscher Arzneibuch

Kräutergarten nach dem Lorscher Arzneibuch © Ludwig März

2018-02-20T16:12:27+00:00
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