Nachgefragt bei… Hans Lange Rodriguez

Hans Lange Rodriguez, Porträt

Zur Person

Hans Lange Rodriguez ist im Ruhrgebiet ausgebildet worden, klassisch und sehr handwerklich geprägt – Fonds, Saucen, Geduld. Danach hat er in unterschiedlichen Küchen gearbeitet, vom bodenständigen Restaurant bis zur ambitionierten Fine-Dining-Küche. Irgendwann hat er verstanden: Er kann nicht dauerhaft die Küche anderer kochen. Seine Wurzeln sind halb deutsch, halb bolivianisch, und genau da liegt heute seine Handschrift. Er verbindet regionale Produkte mit lateinamerikanischen Aromen, Säuren und Gewürzen. Es geht ihm nicht um Fusion, sondern um Identität: zwei Heimaten auf einem Teller.

Aktuelle Auszeichnungen

  • Der Varta-Führer: ✔
  • Guide Michelin: ✔
  • Gusto: ✔
  • Gault Millau: ✔
  • Der Feinschmecker: ✔
  • Schlemmer-Atlas: ✔
  • Der große Guide:
Hans Lange Rodiguez, Foodbild

Das Interview

Warum sind Sie Koch geworden?

Weil Essen Erinnerungen konserviert. Ich habe früh gemerkt: ein Geschmack kann dich sofort zu einem Menschen oder Ort zurückbringen. Kochen ist für mich die emotionalste Form von Kommunikation. Man sagt etwas, ohne ein Wort zu sprechen.

Was ist für Sie das Wichtigste beim Kochen?

Ehrlichkeit. Ein Gericht darf komplex sein, aber es darf nie lügen. Wenn eine Karotte nach Karotte schmeckt, hast du gewonnen.

Woher holen Sie sich die Inspiration für Ihre Speisekarte?

Sehr viel aus meiner Kindheit, Gerüche aus der Küche meiner Familie, Straßenstände in Südamerika, aber auch den Wochenmarkt hier im Ruhrgebiet. Inspiration ist weniger eine „Idee“ als eine Erinnerung, die plötzlich wieder auftaucht.

Welches Essen macht Sie glücklich?

Etwas Warmes, Einfaches und Geteiltes. Ein Tisch, an dem niemand auf die Uhr schaut. Dann ist es egal, ob es ein Eintopf oder ein großes Menü ist.

Was würden Sie niemals essen?

Beliebigkeit. Essen ohne Seele. Ein perfekt angerichteter Teller kann komplett leer wirken, wenn niemand etwas dabei empfunden hat.

Was bringt Sie aus der Fassung?

Arroganz gegenüber Lebensmitteln. Hinter jedem Produkt steht Arbeit, Zeit und oft ein Mensch, der davon lebt.

Haben Sie kochende Vorbilder?

Ja, aber nicht wegen einzelner Rezepte. Ich bewundere Köche, die den Mut hatten, ihre eigene Geschichte zu erzählen statt Trends zu folgen. Persönlichkeit schmeckt man.

Mit welchem Politiker oder welcher Politikerin würden Sie gerne einmal gemeinsam essen?

Mit jemandem, der bereit ist, zuzuhören. Ein guter Tisch ist oft diplomatischer als jede Debatte.

Das größte Lob, das Sie jemals bekommen haben?

Eine Frau kam nach dem Essen zu mir und hat geweint. Sie erzählte mir, dass sie nach einer schweren Zeit lange keinen Geschmack mehr wahrgenommen hat und Essen ihr nichts mehr bedeutete. Bei meinem Gericht habe sie zum ersten Mal wieder etwas gespürt. In dem Moment musste ich selbst weinen. Da habe ich verstanden, warum ich koche.

Womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Freizeit und wie erholen Sie sich?

Mit Dingen, die Zeit brauchen: Kaffee rösten, Musik hören, lange kochen ohne Ziel. Erholung heißt für mich: Kochen ohne Erwartung. Nur aus Freude.

Nachgefragt bei Spitzenköchen

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Bildquellen

  • Hans Lange Rodriguez, Porträt: © Teko by Lange Rodriguez
  • Hans Lange Rodiguez, Foodbild: © Teko by Lange Rodriguez
  • Daniel Bodamer, Porträt quer: © Restaurant Brothers
  • nachgefragt-bei-fabian-denninger-portraet: © Entenstuben
  • Hans Lange Rodriguez, Porträt quer: © Teko by Lange Rodriguez
2026-04-13T10:14:48+02:00