Ohlsdorfer Friedhof: Ein Ort der Ruhe inmitten großbürgerlicher Grabdenkmäler

Es mag vielleicht ein wenig seltsam anmuten, dass ein Friedhof zu den Sehenswürdigkeiten in Hamburg zählt, doch der Ohlsdorfer Friedhof ist ein wunderbarer Ort, um in Ruhe spazieren zu gehen oder Fahrrad zu fahren. Es gibt sicherlich nicht viele Friedhöfe, für die man einen Lageplan braucht, doch der Friedhof im Hamburger Stadtteil Ohlsdorf ist definitiv einer davon.

Der Ohlsdorfer Friedhof gleicht einem Park

Der Friedhof wurde im Jahre 1877 gegründet und zählt mit einer Fläche von 391 Hektar zu den größten Parkfriedhöfen der Welt. Nicht einmal der Zentralfriedhof in Wien kann da mithalten: er hat nämlich „nur“ eine Größe von 250 Hektar. Seit seiner Gründung haben auf dem Friedhof in Ohlsdorf über eine Million Bestattungen stattgefunden. Der Ort gleicht zudem einem Park, denn es wächst dort nicht nur eine Vielzahl von Bäumen, sondern es gibt auch Teiche, Bäche, historische Bauwerke und altehrwürdige Gräber. Besonders die Zeit von April bis Mai ist schön, denn dann blühen die Rhododendren, die die harmonische und natürliche Ausstrahlung des Friedhofs noch unterstreichen.

Rosenbogen im Park vom Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg

Rosenbogen im Park des Friedhofs Ohlsdorf in Hamburg – © Biker- fotolia.com

Ein in mehrere Bereiche unterteilter Friedhof

Der Ohlsdorfer Friedhof ist in mehrere Abschnitte unterteilt: So gibt es große Grabanlagen von bekannten Hamburger Familien, ein anderer Teil ist für Persönlichkeiten reserviert, die Bedeutendes für die Stadt geleistet haben. Im „Garten der Frauen“ wurden Frauen bestattet, die für die Geschichte von Hamburg wichtig waren. Auch die jüdische Gemeinde bekam einen Abschnitt für die Beisetzung ihrer Angehörigen. Ebenso wird jener gedacht, die im Krieg gefallen sind oder Opfer des NS-Regimes wurden.

Insgesamt betrachtet lässt sich am Ohlsdorfer Friedhof die Bestattungskultur der letzten Jahrhunderte gut nachvollziehen: Während man sich noch Ende des 19. Jahrhunderts als wohlhabende Familie große Denkmäler bauen ließ, war die Zeit nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gekennzeichnet von einer neuen Sachlichkeit. Aus der Epoche der großbürgerlichen Grabdenkmäler ist auch eine Vielzahl von Mausoleen erhalten geblieben. Insgesamt gibt es 21 Stück, die eine Mischung aus Kapellen, Grüfte und Säulenhallen darstellen. Die jüngsten Mausoleen stammen aus den Jahren 2007 und 2008.

Park vom Ohlsdorfer Friedhof Hamburg

Große Parkanlage des Friedhofs Ohlsdorf – © Biker- fotolia.com

Viele Gräber von prominenten Persönlichkeiten

Eines dieser Mausoleen gehörte einst der Familie Riedemann. Wilhelm Anton Riedemann war ein reicher Unternehmer und Reedereiinhaber sowie Mitbegründer der Deutsch-Amerikanischen Petroleum Gesellschaft. Anfang des 20. Jahrhunderts ließ er in Ohlsdorf ein Mausoleum bauen, in dem seine mit 19 Jahren verstorbene Tochter Sophie und andere Familienmitglieder bestattet wurden. Doch auch weitere berühmte Persönlichkeiten aus Film, Politik, Kultur und Wissenschaft haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden: Hans Albers, Heinz Erhardt oder Inge Meysel liegen hier begraben. Der Begründer des gleichnamigen Tierparks, Carl Hagenbeck, ist in Ohlsdorf ebenfalls beigesetzt worden, genauso wie Loki Schmidt, die Frau des ehemaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt. Doch der Friedhof steht nicht nur Prominenten offen: jeder kann sich hier beisetzen lassen, ganz gleich, welche Konfession man hat oder wo man wohnt. Der Friedhof ist jederzeit frei zugänglich, es kann an bestimmten Tagen aber auch an Themenführungen teilgenommen werden.

Weitere Informationen:
Friedhof Ohlsdorf
Fuhlsbüttler Straße 756
22337 Hamburg

www.friedhof-hamburg.de

2017-07-30T22:14:44+00:00