Das Bremer Rathaus: Ein bedeutender Bau aus dem 15. Jahrhundert

Das Bremer Rathaus, das seit 1973 unter Denkmalschutz steht und seit 2004 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört, zählt zu den bedeutendsten Bauwerken der Gotik und der Weserrenaissance in Europa. Das erste Rathaus von Bremen geht auf das Jahr 1229 zurück, von dem man annimmt, dass es als damals die Funktion eines Gerichtsgebäudes hatte. Von 1405 bis 1410 entstand ein neues Rathaus im gotischen Stil, dessen Bau von einem neuen Selbstbewusstsein zeugt, denn die Bürger hatten keine Lust mehr auf die Herrschaft des Erzbischofs und zeigten dies auch deutlich: Das neue Bremer Rathaus brachte mehr Dominanz zum Ausdruck als der Dom und der erzbischöfliche Sitz.

Das Bremer Rathaus im Wandel der Zeit

Um 1600 wurde das Rathaus erneut umgebaut, da es dem Senat nicht mehr repräsentativ genug war, so dass die Fassade, die durch die Weserrenaissance geprägt ist, nun üppig mit Figuren, Köpfen, Engeln und Fabeltieren geschmückt wurde. Der Fassadenschmuck beinhaltet Abbildungen aus der Mythologie, dem christlichen Glauben sowie typische Symbole für die Stadt Bremen. Die architektonischen Elemente der Fassade wurden von der niederländischen Renaissance stark beeinflusst. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Bremer Rathaus nochmals erweitert und bekam so einen Anbau, das Neue Rathaus, das seit 2003 mehrmals restauriert wurde.

Bremer Rathausarkaden mit Roland

Bremer Rathausarkaden mit Roland © Ingrid Krause / BTZ Bremer Touristik-Zentrale

Das Schaffermahl: Eine rein männliche Veranstaltung seit 1545

Das alte Bremer Rathaus dient heute nicht mehr der Verwaltung der Stadt, sondern viel eher repräsentativen Zwecken. Seit 1545 findet dort zum Beispiel das Schaffermahl statt, bei dem Frauen allerdings nicht zugelassen sind. Es ist eine reine Männerveranstaltung, und das hat seinen Grund: Mit dem Schaffermahl wurden die Seeleute von den Reedern und Kaufmannsleuten traditionell verabschiedet, bevor sie wieder zur See fuhren. Im Allgemeinen waren Frauen zu solch einer Veranstaltung nicht eingeladen, vor allem da ein alter Aberglaube besagt, dass sie an Bord Unglück bringen sollen.

Bis heute sind zu diesem Essen jeweils 100 Mitglieder aus der Seefahrt und dem Kaufmannstum eingeladen sowie weitere 100 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Wissenschaft. Doch der maritime Gedanke dieses Festessens ist nach wie vor zu spüren: die Tische sind zu einem Dreizack angeordnet, dem Symbol des Meeresgottes Neptun. Die Dekoration umfasst silberne Kandelaber, Bierhumpen, Segelschiffe und Boote aus Silber. Das Essen dauert fünf Stunden und beinhaltet ein sechsgängiges Menü, doch wer jetzt an Hummer und Entenpâté denkt, der irrt: serviert werden unter anderem Bremer Hühnersuppe, Stockfisch in Senfsauce und Salzkartoffeln oder Braunkohl mit Pinkel. Getrunken wird neben Weiß- und Rotwein auch das Bremer Seefahrtsbier – die alkoholfreie Mischung enthält viele nahrhafte Zusatzstoffe und wurde einst an Bord von der Besatzung getrunken, da Obst und Gemüse auf See rar waren. Zwischen den Gängen werden Reden von diversen Gästen gehalten, und nach Ende des Mahls rauchen die Herren traditionell eine lange weiße Tonpfeife. Doch ab und zu wird bei dem strengen Zeremoniell auch eine Ausnahme gemacht: 2007 wurde Kanzlerin Angela Merkel als Ehrengast zum 463. Festessen eingeladen, wo sie auch eine Rede hielt.

Weitere Informationen finden Sie hier:

http://www.rathaus.bremen.de

2017-07-30T22:06:48+00:00