Im Sommer erwartet niemand eine warme Suppe von mir. Und doch empfehle ich genau das. Für mich entscheidet nicht der Kalender, welche Suppe auf den Tisch kommt, sondern das Wetter des Tages. Fällt die Temperatur, koche ich warm. Steht die Hitze, koche ich kalt. Beides gehört für mich zum Sommer, und beides hat seinen eigenen Moment.

Die warme Suppe für kühle Tage

Meine liebste Sommersuppe ist die Minestrone. Das überrascht viele, weil bei Hitze kaum jemand zuerst an etwas Warmes denkt. Aber es gibt sie ja, die kühleren Abende, die Regentage, die Stunden, in denen die Temperatur fällt. Genau dann ist die Minestrone für mich die richtige Wahl.

Junges Gemüse ist jetzt überall erhältlich, und davon lebt diese Suppe. Nach Geschmack ergänze ich Bohnen, manchmal auch Nudeln oder Reis. Es ist ein klassisches One-Pot-Gericht, alles gart in einem einzigen Topf. Der Unterschied zwischen einer guten und einer beliebigen Minestrone liegt in der Reihenfolge. Wer die Zutaten in der richtigen Folge in den Topf gibt, bekommt eine Suppe, die besonders schmeckt, mit dem einen oder anderen Gemüse, das noch etwas Biss behält. Das erfreut den Gaumen.

Die Bärlauchzeit ist leider schon vorbei. Dafür liegt jetzt Basilikum an jedem Marktstand. Die Minestrone schmeckt ohne Pesto sehr gut. Ein frisch geröstetes Pestobrot dazu macht aber richtig Freude.

Meine erste Minestrone habe ich nicht in Mailand kennengelernt, sondern in München. Ein netter Kochkollege aus Sizilien hat sie für uns nach seinem Familienrezept gekocht. Die Einfachheit dieser Suppe hat mich sofort fasziniert. Dazu die frischen Kräuter vom Viktualienmarkt, und am Ende träufelte Pietro noch kalt das Olivenöl aus seiner Heimat über den Teller. Wer Varianten und eine sichere Zubereitung kennenlernen möchte, findet beides in meinem Rezept Minestrone.

Was wäre der Sommer ohne kalte Suppen

An den heißen Tagen kehrt sich alles um. Dann würde mir wirklich etwas fehlen, wenn keine kalte Suppe auf dem Tisch stünde. Drei begleiten mich durch den Sommer, und jede hat ihren eigenen Charakter.

Kalte Gurkensuppe in weißem Suppenteller mit

Die kalte Gurkensuppe ist die eleganteste der drei. In einem bekannten bayerischen Sternerestaurant, in dem ich meine Ausbildung zum Koch absolvieren durfte, haben wir sie in der heißen Jahreszeit als Amuse-Gueule serviert. Sie ist besonders erfrischend. Mit einer einfachen Einlage aus Gurkenwürfeln und Dill bleibt sie schlicht. Mit einem Lachstatar im Strudelblatt lässt sie sich zu einer eindrucksvollen Vorspeise aufwerten. Für Gäste ist sie meine erste Wahl unter den kalten Suppen. Als Gurkenschaumsuppe kommt sie elegant daher und beschäftigt den Gaumen nicht so stark wie ihre Verwandten mit Tomate. Nach meiner Erfahrung kommt sie gerade bei Männern gut an, sie vertragen die kalte Gurkensuppe oft besser als die Varianten mit Tomate. Die Anleitung findest du in meinem Rezept Kalte Gurkensuppe.

Gazpacho in brauner Schale auf braunem Teller

Die Gazpacho habe ich zuletzt mit einem lieben Kollegen aus der Schweiz auf Mallorca verkostet. Ehrlich gesagt hat sie uns nicht restlos überzeugt, vielleicht zu achtzig Prozent. Sie ist in der Zubereitung etwas aufwendiger als die anderen kalten Suppen. Wer sie mag, findet meine Version im Rezept Gazpacho.

alte Tomatensuppe in weißer Schale mit weißen Zwiebeln neben Tortillachips und Chillischote und Limettenscheibe

Die kalte Tomatensuppe ist das Gegenteil, wirklich einfach zubereitet. Einen Kochtipp gebe ich dir mit auf den Weg. Schmecke sie unbedingt mit etwas Sojasauce ab. Ganz wenig genügt. Dieser Umami-Schub holt die kalte Tomatensuppe in die Gegenwart und lässt sie am Tisch bestehen. Zur Zubereitung geht es in meinem Rezept Kalte Tomatensuppe.

Das Wetter entscheidet

So einfach ist es am Ende. Ist der Tag kühl, koche ich warm. Ist der Tag heiß, koche ich kalt. Die Suppe richtet sich nach dem Wetter, nicht nach dem Kalender. Und gerade jetzt, zum Sommeranfang, lohnt es sich, beide Wege offen zu halten.

Thomas Sixt ist Koch und Food-Fotograf. Als Buchautor betreibt er den Rezepte-Blog ThomasSixt.de und schreibt die monatliche Foodblog-Kolumne für den Varta-Führer.

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