Es gibt Gerichte, die ein ganzes Fest erzählen können. Für mich sind das an Ostern zwei einfache Dinge. Ein Hefeteig am Morgen und ein Lammbraten am Nachmittag. Mehr braucht es nicht, damit sich ein Feiertag nach Feiertag anfühlt.

Der Anfang gehört dem Hefeteig. Wenn ich ihn in der Schüssel zusammenbringe, beginnt in der Küche bereits eine andere Stimmung. Mehl, Milch, ein wenig Zucker, Butter und Hefe. Mehr steckt im Grunde nicht dahinter. Trotzdem hat dieser Teig etwas Feierliches. Vielleicht weil er Zeit braucht und weil man ihn nicht nebenbei macht. Man knetet ihn, deckt ihn zu und wartet.

Während der Teig ruht, wird es ruhig in der Küche. Hefeteig hat seine eigene Geschwindigkeit. Wer ihn antreibt, bekommt selten ein gutes Ergebnis. Wer ihm Zeit lässt, wird belohnt.

Hefeteig in einer Schüssel mit Klarsichtfolie abgedeckt

Nach der Ruhezeit wird aus dem Teig ein Zopf. Drei Stränge, locker geflochten, nicht zu fest. Genau dieser Moment gefällt mir besonders. Der frische Osterzopf  liegt auf dem Blech und sieht noch unscheinbar aus. Erst im Ofen verwandelt er sich in dieses goldene Gebäck, das nach Butter und Hefe duftet.

Wenn der Zopf später auf dem Tisch liegt, noch leicht warm, braucht es kaum etwas dazu. Ein wenig Butter, vielleicht Marmelade. Oft reicht schon der erste Bissen, um zu merken, dass ein Festtag begonnen hat.

Geflochtener Hefezopf vor dem Backen

Am Nachmittag gehört der Ofen dann dem Lamm. Auch dieses Gericht lebt von Einfachheit. Ein schönes Stück Fleisch, richtig gebunden, etwas Knoblauch, Rosmarin, Salz und ein gutes Olivenöl. Mehr braucht ein Lammbraten nicht. Die eigentliche Arbeit übernimmt die Zeit im Ofen.

Während das Fleisch langsam brät, füllt sich die Küche mit einem Duft, der sofort an Frühling erinnert. Vielleicht stehen ein paar Kartoffeln daneben im Ofen oder ein einfaches Gemüse. Viel mehr braucht es nicht.

2 Stücke Lammrollbraten mit Soße auf einem weißen Teller

Wenn der Lammrollbraten schließlich auf dem Tisch steht, ist der Tag im Grunde erzählt. Morgens der Hefezopf, am Nachmittag das Lamm. Zwei Gerichte, zwei Düfte, zwei ruhige Momente in der Küche.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Idee des Osteressens. Nicht möglichst viele Speisen aufzufahren, sondern ein paar gute Dinge mit Ruhe zuzubereiten. Hefeteig braucht Zeit. Ein Lammbraten auch.

Und vielleicht beginnt Ostern genau in dem Moment, in dem der Hefeteig in der Schüssel aufgeht. Und endet dort, wo der Lammbraten angeschnitten wird und alle am Tisch sitzen.

Thomas Sixt ist Koch und Food-Fotograf. Als Buchautor betreibt er den Rezepte-Blog ThomasSixt.de und schreibt die monatliche Foodblog-Kolumne für den Varta-Führer.

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