Walhalla in Bayern: Deutschlands Hall of Fame

Mitten in der ostbayerischen Landschaft erhebt sich mit der Walhalla ein majestätischer Bau: Er sieht aus wie eine griechische Tempelanlage mit weit ausladenden Stufen, die hinaufführen in eine marmorverkleidete Halle. Zahlreiche Säulen zieren das schneeweiße Bauwerk, und der Betrachter fühlt sich plötzlich nicht mehr wie in Deutschland, sondern wie auf der Akropolis in Athen. Doch wie kommt ein solch exotisches Bauwerk ausgerechnet nach Bayern? Wer ließ es erbauen und wieso?

Der Begriff „Walhall“ entstammt der nordischen Mythologie und war ein Ort für gefallene Kämpfer, die tapfer in einer Schlacht gekämpft hatten. Sie ist zudem laut der Überlieferung eine prunkvolle Halle mit 540 Toren. 1807 gab König Ludwig I. den Auftrag, solch eine Halle für berühmte germanische Persönlichkeiten zu erbauen.

Das 19. Jahrhundert in Deutschland: Politischer Zerfall und eine fehlende Identität

Um das Bauwerk besser zu verstehen, sollte man sich die politische Situation in Deutschland im 19. Jahrhundert genauer ansehen: Aufgrund der zahlreichen Niederlagen gegen Napoleon brach das Heilige Römische Reich zusammen, und angesichts der darauf folgenden politischen Zerrüttung, als zahlreiche deutsche Fürsten mit den Franzosen kollaborierten, kam es auch zur Teilnahme Deutschlands an Napoleons desaströsem Feldzug gegen Russland. Die daraus resultierende Niederlage empfand Deutschland als große Schmach und Schande, so dass die Rufe nach einer gemeinsamen, deutschen Identität immer lauter wurden. So kam es unter anderem zum Bau des Hermannsdenkmals im Teutoburger Wald, da man diese Identität in den gemeinsamen germanischen Wurzeln zu finden hoffte.

So kam auch Ludwig I. auf die Idee, berühmter Persönlichkeiten zu gedenken. Das Geschlecht war dabei unerheblich – Hauptsache, die zu ehrende Person stammte aus der germanischen Sprachenfamilie, denn Ludwig war der Meinung, dass nichts so sehr eint wie eine gemeinsame Sprache. So fanden Persönlichkeiten wie Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe oder Joseph Haydn Aufnahme in die Walhalla. Doch es wird auch Frauen wie Sophie Scholl oder Edith Stein dort gedacht.

Walhalla an der Donau

Walhalla an der Donau – © T. Linack- fotolia.com

Die Walhalla: Ein neoklassizistischer Bau mit griechischem Vorbild

Die Walhalla wurde im Stile des Neoklassizismus von dem Architekten Leo von Klenze erbaut und soll an das Parthenon in Griechenland erinnern. 1842 wurde die Halle schließlich eröffnet – der Grund für die jahrelange Verzögerung beim Bau ist jedoch nicht bekannt. Die Walhalla war eines der kostspieligsten Bauprojekte des bayerischen Königs. Heutzutage befinden sich dort über einhundert Marmorbüsten und an die knapp siebzig Gedenktafeln, auch eine große Skulptur von Ludwig I. ist dort aufgestellt. Das Innere von Walhalla ist mit verschiedenfarbigem Marmor ausgekleidet und in drei Abschnitte gegliedert.

Bis heute können bedeutende Persönlichkeiten in die Walhalla aufgenommen werden – dafür genügt schon ein Vorschlag beim bayerischen Staatsministerium. Falls es zu einer Genehmigung kommen sollte, übernimmt der Antragssteller alle Kosten. Die Voraussetzungen lauten ferner: die Person muss mindestens 20 Jahre tot sein, aus der germanischen Sprachenfamilie stammen und einen bemerkenswerten Beitrag in den Bereichen Politik, Kunst oder Wissenschaften geleistet haben. Zu den germanischen Sprachen zählen unter anderem deutsch, niederländisch, schwedisch, dänisch oder auch jiddisch.

www.walhalla-regensburg.de

2017-07-30T21:35:22+00:00