Alte Buchenwälder Deutschlands: Eine Reise in die Vergangenheit

Wer schon immer mal hautnah erleben wollte, wie Europa vor tausenden von Jahren ausgesehen hat, der sollte sich in die Alten Buchenwälder Deutschlands begeben. Teils mystisch, teils romantisch vermitteln sie ein spannendes Bild eines urwüchsigen Europas, das ohne das Eingreifen des Menschen heute zu großen Teilen von Buchenwäldern bedeckt wäre. Seit dem Jahr 2011 gehören fünf einzigartige Buchenwaldgebiete in Deutschland zum Weltnaturerbe der UNESCO.

Das Weltnaturerbe Alte Buchenwälder in Deutschland

Alte Buchen im Nationalpark Kellerwald-Edersee, Hessen

Alte Buchen im Nationalpark Kellerwald-Edersee, Hessen © Carola Vahldiek – fotolia.com

In Deutschland gehören insgesamt fünf herausragende Buchenwaldgebiete zum Weltnaturerbe, die die wertvollsten verbliebenen Reste naturbelassener Buchenbestände in Deutschland repräsentieren. Einzigartig sind die in Deutschland beheimateten Tieflandbuchenwälder; sie sind heute auf Deutschland beschränkt. Zudem haben Buchenwälder nährstoffarmer Standorte in deutschen Mittelgebirgen ihren weltweiten Verbreitungsschwerpunkt. Die deutschen Welterbegebiete dokumentieren die nacheiszeitliche Ausbreitung der Buche und verkörpern die für die jeweiligen Buchenwaldtypen weltweit bedeutendsten Flächen. Zu den fünf Welterbegebieten gehören:

1. Der Nationalpark Jasmund auf Rügen

Buchenwälder und Kreidefelsen auf der Insel Rügen

Buchenwälder und Kreidefelsen auf der Insel Rügen © Rico K. – fotolia.com

Der Nationalpark Jasmund ist berühmt für seine Kreidefelsen, die schon die Maler der Romantik auf die Insel Rügen lockte, die das faszinierende Zusammenspiel von Kreideküste, Buchenwäldern und Meer auf ihre Leinwände bannten. Die Wälder wurden wegen ihrer Unzugänglichkeit auf den Klippen nie forstwirtschaftlich genutzt, weshalb sich hier der größte zusammenhängende Buchenwald an der Ostseeküste entwickeln konnte. Offene Flächen mit herrlichen Ausblicken auf Meer und Kreidefelsen wechseln sich hier ab mit lockerem Buschland und echtem Urwald – eine Landschaft, die pure Erholung verspricht.

2. Der Müritz-Nationalpark in Mecklenburg-Vorpommern

Die alten Buchenwälder von Serrahn

Die alten Buchenwälder von Serrahn © Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern, Roman Vitt

Um die kleine Ortschaft Serrahn östlich von Neustrelitz hat sich inmitten der ausgedehnten Wald- und Seenlandschaft der Müritz ein alter Buchenwald erhalten, der einen Einblick gibt in die Ursprünglichkeit der alten Buchenurwälder Deutschlands. Seit 60 Jahren wird dieses hügelige Waldland voller Seen und Moore nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt, so dass sich ein einzigartiges Buchenwaldgebiet entwickeln konnte – auch bedingt durch die Jagdleidenschaft der Großherzöge von Mecklenburg-Strelitz, die Forstwirtschaft hier unterbanden und so den Zauber dieser urwüchsigen Wälder bis heute erhalten haben.

3. Grumsin im UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

Der Buchwald Grumsin in der Schorfheide

Der Buchwald Grumsin in der Schorfheide © TMB-Fotoarchiv/Regina Zibell

Das UNESCO-Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin liegt in Brandenburg, nur etwa eine Autostunde nordöstlich von Berlin. Die Landschaft fasziniert mit ausgedehnten Wäldern und weitem Offenland, mit tiefen Senken und markanten Höhenzügen. Hier lässt sich noch das Gesicht der letzten Eiszeit entdecken, die in der vielfältigen Landschaft ihre Spuren hinterlassen hat. Ein ganz besonderer Ort im Biosphärenreservat ist Grumsin, ein seit 20 Jahren nicht mehr genutzter Buchenwald, der mit der engen Verzahnung von zahlreichen Mooren und Kleingewässern mit urwüchsigem Buchenbestand verzaubert.

4. Der Nationalpark Hainich in Thüringen

Bärlauchteppich im Nationalpark Hainich

Bärlauchteppich im Nationalpark Hainich ©Thomas Stephan, www.thomas-stephan.com

Im Westen Thüringens zwischen Mühlhausen, Bad Langensalza und der Wartburg-Stadt Eisenach liegt der Nationalpark Hainich, der dank der deutsch-deutschen Grenze jahrzehntelang militärisches Sperrgebiet war und sich so ungestört entwickeln konnte. Der Nationalpark beherbergt einen Buchenwald ganz besonderer Art, der nicht nur mit einer großen Baumartenvielfalt fasziniert, sondern auch mit den Blütenteppichen am Waldboden, die den Buchenwald im Frühjahr in ein wahres Blütenmeer verwandeln.

5. Der Nationalpark Kellerwald-Edersee in Hessen

Nationalpark Kellerwald-Edersee

Nationalpark Kellerwald-Edersee © Blickfang – fotolia.com

Ein für Deutschland außergewöhnlicher Buchenwald findet sich südwestlich von Kassel, denn er ist in seiner Größe und Ursprünglichkeit einzigartig. Der hügelige Nationalpark präsentiert sich als ein wahres Buchenmeer, keine Straße und keine Siedlung zerschneidet die ausgedehnten alten Wälder, und der gewundene Edersee gräbt seine Buchten nahezu fjordartig in die Buchen hinein. Die Wälder wurden wegen des teils steilen und felsigen Geländes kaum forstwirtschaftlich genutzt, weite Teile dienten den Fürsten zu Waldeck und Pyrmont als Hofjagdrevier. Hier kann man mystischen Baumgestalten begegnen und bizarre Waldlandschaften durchwandern.

2017-10-24T14:43:22+02:00
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